Anreise und Schiffsrouten zur Antarktis
Keine Linienflughäfen, keine Straßen: Der Zugang läuft über die Südspitze Südamerikas – und über eine Entscheidung, die Ihre Reise stärker prägt als das Schiff. Fahren Sie durch die Drake-Passage oder fliegen Sie darüber hinweg?
Die Startpunkte
- Ushuaia (Argentinien) ist das Tor zur Antarktis. Die südlichste Stadt der Welt liegt auf Feuerland am Beagle-Kanal, nur etwa 1.000 Kilometer von der Antarktischen Halbinsel entfernt – kürzer geht es von keinem anderen Hafen der Welt. Rund neun von zehn Expeditionsschiffen starten hier. Die Anreise erfolgt per Flug über Buenos Aires, wobei zwischen internationaler Ankunft (Ezeiza) und Inlandsflug (Aeroparque) meist ein Flughafenwechsel liegt – wir planen dafür immer ausreichend Puffer, in der Regel mit einer Übernachtung in Buenos Aires.
- Punta Arenas (Chile) ist der zweite wichtige Ausgangspunkt und die Basis für nahezu alle Fly-&-Cruise-Programme. Die Anreise läuft über Santiago de Chile. Auch einzelne Schiffsreisen starten hier oder queren die Magellanstraße Richtung Kap Hoorn. Einzelne längere Routen – etwa solche mit Südgeorgien – beginnen zudem in Puerto Madryn oder Buenos Aires.
Unser Tipp: Mindestens ein Reservetag vor der Einschiffung einplanen. Ein verpasster Flug lässt sich nachbuchen – ein abgefahrenes Expeditionsschiff nicht.
Die Drake-Passage
Die etwa 1.000 Kilometer breite Meeresstraße zwischen Kap Hoorn und der Antarktischen Halbinsel. Die Überfahrt dauert rund 36 bis 48 Stunden pro Richtung. Unter Polarreisenden heißt es: Sie bekommen entweder den Drake Lake oder den Drake Shake. Beides kommt vor, und beides gehört zur Reise. Moderne Expeditionsschiffe mit Stabilisatoren und eisverstärktem Rumpf sind für diese Bedingungen konstruiert, und die Kapitäne planen Zeitfenster gezielt um Tiefdruckgebiete herum.
Wichtig ist die andere Seite der Medaille: Diese zwei Seetage sind kein verlorene Zeit, sondern der eigentliche Einstieg in die Region. An Bord laufen die Vortragsprogramme der Expeditionsteams zu Geologie, Meeresbiologie und Polargeschichte, das Pflichtbriefing zu den IAATO-Regeln, die Ausgabe der Stiefel – und an der Reling ziehen Albatrosse, Sturmvögel und die ersten Eisberge vorbei. Viele Gäste bezeichnen die Drake-Passage im Rückblick als Teil des Erlebnisses, nicht als Preis dafür.
| Route | Dauer | Inhalt |
|---|---|---|
| Klassische Antarktische Halbinsel | 10–12 Tage | 2 × Drake-Passage, 4–5 Tage vor Ort mit Anlandungen |
| Antarktis über den Polarkreis | 13–15 Tage | zusätzlich südliche Vorstöße jenseits 66°33' S |
| Falklandinseln, Südgeorgien & Antarktis | 18–23 Tage | maximale Tierwelt, große Königspinguin-Kolonien |
Fly & Cruise
Für Reisende mit wenig Zeit oder ausgeprägter Seekrankheitsneigung gibt es eine Alternative: Sie fliegen von Punta Arenas in etwa zwei Stunden über die Drake-Passage hinweg zur King George Island (Isla Rey Jorge) in den Süd-Shetland-Inseln, wo Ihr Schiff bereits wartet. Zurück geht es genauso.
Das verkürzt die Gesamtreise dramatisch: Eine Fly-&-Cruise-Antarktisreise ist bereits in sechs bis acht Tagen machbar, ohne dass die Zeit vor Ort kürzer ausfällt – Sie sparen die vier Seetage ein, nicht das Erlebnis. Es gibt auch Kombinationen, bei denen eine Richtung geflogen und die andere gefahren wird.
Zwei Punkte sollten Sie kennen. Erstens: Die Flüge sind wetterabhängig. Auf der Schotterpiste von King George Island wird nur bei ausreichender Sicht gelandet, Verschiebungen um einen oder zwei Tage sind Teil des Konzepts – planen Sie deshalb keinen knappen Anschlussflug nach Europa. Zweitens: Fly & Cruise ist pro Reisetag die teuerste Form der Antarktis-Reise.
Vor Ort: Zodiacs und Schiffsgröße
Die Antarktis-Erfahrung selbst findet nicht vom Schiff aus statt, sondern im Zodiac. Diese motorisierten Schlauchboote bringen Sie in kleinen Gruppen an Land und durch Eisfelder, an denen kein Schiff vorbeikäme. Üblich sind zwei Ausflüge pro Tag – eine Anlandung bei einer Pinguinkolonie oder Forschungsstation, eine Zodiac-Rundfahrt zwischen Eisbergen und Robben-Schollen. Je nach Schiff kommen Kajakfahren, Schneeschuhwandern, Camping an Land oder der berühmte Polar Plunge hinzu.
Warum kleine Schiffe entscheidend sind: Die IAATO-Regeln erlauben maximal 100 Gäste gleichzeitig an Land. Schiffe mit mehr als 500 Passagieren dürfen überhaupt keine Anlandungen durchführen. Ein Expeditionsschiff mit 100 bis 200 Gästen kann also alle gleichzeitig an Land bringen, ein Schiff mit 500 Gästen arbeitet mit Rotationen und kürzeren Landzeiten. Wenn Anlandungen Ihr Reisegrund sind, ist die Schiffsgröße kein Komfort-, sondern ein Programmthema.