Gesundheit und Reisemedizin für die Antarktis

Die Antarktis ist medizinisch gesehen ein ungewöhnliches Reiseziel: Es gibt keine Tropenkrankheiten, keine Malaria, keine Moskitos, praktisch keine Keimbelastung. Dafür gibt es zwei Themen, die es in dieser Form nirgends sonst gibt – die Abgeschiedenheit und die UV-Strahlung.

Impfungen

Für die Antarktis selbst sind keine Impfungen vorgeschrieben. Auch für die Transitländer Argentinien und Chile bestehen bei Einreise aus Europa keine Impfpflichten; eine Gelbfieberimpfung ist für Ushuaia und Punta Arenas nicht erforderlich.

Empfohlen wird, den Standardimpfschutz nach den Vorgaben der Ständigen Impfkommission zu prüfen und ggf. aufzufrischen – insbesondere Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Masern-Mumps-Röteln sowie Hepatitis A. Weil Sie viele Tage in einer geschlossenen Schiffsgemeinschaft verbringen, ist ein aktueller Grippeschutz sinnvoll: Ein Atemwegsinfekt an Bord kostet Sie im Zweifel Anlandungen.

Bitte klären Sie Ihren persönlichen Impfschutz frühzeitig mit Ihrem Haus- oder Tropenarzt ab. Verbindliche und aktuelle Auskünfte erteilt das Auswärtige Amt in seinen länderspezifischen Reise- und Sicherheitshinweisen.

Seekrankheit in der Drake-Passage

Das häufigste Gesundheitsthema an Bord – und das am besten lösbare. Wichtig ist nur eins: vorbeugen, nicht behandeln. Wer wartet, bis die Übelkeit da ist, hat den günstigen Zeitpunkt verpasst. Bewährt haben sich:

  • Scopolamin-Pflaster hinter dem Ohr, mehrere Stunden vor Verlassen des Beagle-Kanals aufgebracht, wirken bis zu drei Tage
  • Dimenhydrinat- oder Ingwerpräparate, rechtzeitig eingenommen
  • Akupressur-Armbänder – ohne Nebenwirkungen, für viele Reisende ausreichend
  • Kabinenwahl: möglichst mittschiffs und auf einem tieferen Deck, dort sind die Bewegungen am geringsten
  • Verhalten: an die frische Luft gehen, den Horizont fixieren, leicht aber regelmäßig essen, nicht nüchtern bleiben, keinen Alkohol

Sprechen Sie die Wahl des Mittels vor der Reise mit Ihrem Arzt oder Apotheker ab, insbesondere bei Vorerkrankungen oder Dauermedikation. An Bord hält der Schiffsarzt in der Regel ebenfalls Präparate vor. Wenn Seekrankheit für Sie ein grundsätzliches Ausschlusskriterium ist, ist Fly & Cruise die passende Lösung – siehe unsere Kachel Anreise und Schiffsrouten.

UV-Strahlung

Über der Antarktis ist die Ozonschicht im Frühjahr ausgedünnt, gleichzeitig reflektieren Schnee, Eis und Wasser das Licht von unten zurück. Das Ergebnis: Sie bekommen Strahlung aus Richtungen, für die Ihre Haut nicht vorgesehen ist – unter dem Kinn, an den Nasenlöchern, an den Ohren.

Praktisch heißt das: Sonnencreme mit LSF 50 auf allen freien Hautpartien, mehrfach täglich neu, auch bei bedecktem Himmel. Lippenpflege mit UV-Schutz. Und eine gute Sonnenbrille, konsequent getragen – Schneeblindheit ist eine schmerzhafte, wenn auch vorübergehende Hornhautentzündung, die Sie an einem Reisetag ins Dunkel der Kabine zwingt.

Dazu kommt die extreme Trockenheit der Polarluft: Trinken Sie mehr als Ihr Durstgefühl verlangt und nehmen Sie eine reichhaltige Gesichtscreme mit.

Medizinische Versorgung an Bord

Auf allen Expeditionsschiffen fährt ein Schiffsarzt mit, dazu ein Bordhospital für die Erstversorgung, gängige Medikamente und kleinere Eingriffe. Für alles darüber hinaus gilt die zentrale Realität dieser Region: Sie sind mehrere Tage von der nächsten Klinik entfernt. Es gibt in der Antarktis keine Rettungshubschrauber-Infrastruktur; eine Evakuierung bedeutet in der Regel, dass das Schiff die Reise abbricht und Kurs auf Südamerika nimmt.

Daraus folgen drei Dinge:

  1. Reiseversicherung mit Notfall-Evakuierung und Rücktransport ist Pflicht. Nahezu alle Veranstalter verlangen einen Nachweis mit einer Mindestdeckungssumme. Prüfen Sie explizit, ob Ihre Police die Antarktis einschließt – viele Standardtarife schließen Polarregionen aus. Wir beraten Sie dazu gern.
  2. Medikamente in ausreichender Menge im Handgepäck, in Originalverpackung, plus ein englischsprachiges ärztliches Attest bei verschreibungspflichtigen Präparaten. Rechnen Sie Reserve für mögliche Verzögerungen ein.
  3. Vorerkrankungen offenlegen. Alle Veranstalter verlangen einen medizinischen Fragebogen, teils eine ärztliche Bescheinigung.

Körperliche Anforderungen

Eine Antarktis-Kreuzfahrt ist keine sportliche Herausforderung, aber sie ist auch nicht barrierefrei. Sie müssen selbstständig eine bewegliche Gangway hinuntergehen und in ein schwankendes Zodiac ein- und aussteigen können, oft bei Wellen. An Land geht es über Kies, Schnee und rutschige Felsen, ohne Wege und Handläufe. Wer normal gehfähig und trittsicher ist, kommt problemlos mit – wer auf Gehhilfen oder einen Rollstuhl angewiesen ist, sollte die Realisierbarkeit vorab individuell mit uns klären.

Wichtig: Diese Informationen sind eine unverbindliche Orientierung und ersetzen keine medizinische Beratung. Lassen Sie sich vor Antritt Ihrer Reise in die Antarktis reisemedizinisch bei Ihrem Hausarzt oder dem Tropeninstitut beraten.