Klima und Reisezeit der Antarktis
Wie kalt ist es in der Antarktis wirklich?
Die Antarktis ist der kälteste, trockenste und windigste Kontinent der Erde – und trotzdem für wenige Monate im Jahr überraschend zugänglich. Der Schlüssel ist das richtige Timing: Die Rekordwerte des Kontinents – bis zu −89,2 °C im Inneren – haben mit einer Expeditionskreuzfahrt wenig zu tun.
An der Antarktischen Halbinsel, dem Ziel nahezu aller Schiffsreisen, liegen die Temperaturen im Polarsommer meist zwischen −5 °C und +5 °C, an sonnigen Tagen im Windschatten fühlt es sich sogar mild an.
Entscheidend ist nicht das Thermometer, sondern der Wind. Bei Zodiac-Fahrten über offenes Wasser sorgt der Windchill dafür, dass sich +2 °C wie −10 °C anfühlen. Wer richtig gekleidet ist, empfindet die Antarktis deshalb selten als „bitterkalt" – wer falsch gekleidet ist, dagegen schon nach zwanzig Minuten. Mehr dazu in unserer Kachel Kleidung und Ausrüstung.
Beste Reisezeit für die Antarktis
Antarktis-Kreuzfahrten finden ausschließlich im antarktischen Sommer zwischen Ende Oktober und März statt. In dieser Zeit gibt das Packeis die Küsten der Antarktischen Halbinsel frei, die Sonne steht bis zu 20 Stunden täglich am Himmel und die Tierwelt durchläuft ihren kompletten Jahreszyklus.
Von April bis September ist die Region von Meereis umschlossen, es herrscht Polarnacht, und es verkehren keine Expeditionsschiffe.
Beste Reisezeit für die Antarktis: Monat für Monat
Es gibt nicht die beste Reisezeit – es gibt die beste Reisezeit für Ihr Interesse. Fotografen mit Faible für unberührte Eislandschaften reisen früh, Walbeobachter spät.
- Ende Oktober und November – Eis, Balz und unberührter Schnee
Die Saison beginnt mit der spektakulärsten Eiskulisse: viel Packeis, meterhohe Schneewehen, Landschaften ohne eine einzige Fußspur. Pinguine kehren in die Kolonien zurück, tragen Steinchen für ihre Nester zusammen und balzen – für Fotografen die aktivste und lustigste Phase. Seeelefanten und Seebären beginnen auf Südgeorgien ihre Brunftzeit. Nachteil: Manche Landestellen sind noch tief verschneit oder eisblockiert. - Dezember und Januar – Hochsaison mit den besten Bedingungen
Der Höhepunkt des Polarsommers. Es ist am wärmsten, die Tage sind fast endlos hell, und die Zahl der möglichen Anlandungen ist am höchsten. In den Kolonien schlüpfen die Küken – gut getarnte, dauerhungrige Wollknäuel, die von beiden Elternteilen gefüttert werden. Das ist die klassische Familien- und Erstreisezeit, entsprechend die gefragteste und teuerste. Frühzeitig buchen ist hier keine Floskel, sondern Voraussetzung. - Februar und März – Wale, Küken und Fahrten weit nach Süden
Die beste Zeit für Walbeobachtungen: Buckelwale, Zwergwale und Orcas haben sich in den Krillgründen der Halbinsel eingefunden und sind oft neugierig an den Zodiacs. Die Pinguinküken sind fast flügge und wechseln ins Jugendgefieder, die Kolonien sind entsprechend geruchsintensiv und schlammig. Weil das Eis maximal zurückgewichen ist, erreichen Schiffe jetzt die südlichsten Punkte – Reisen über den Südlichen Polarkreis finden fast ausschließlich in diesem Zeitfenster statt. Dazu kehren abends die Dämmerung und damit spektakuläre Lichtstimmungen zurück.
Welche Tiere sehen Sie in der Antarktis?
Die Artenzahl der Antarktis ist gering – die Individuenzahl dafür überwältigend. Kolonien mit mehreren zehntausend Brutpaaren sind keine Ausnahme.
- Pinguine: An der Antarktischen Halbinsel begegnen Sie vor allem Esels-, Adelie- und Zügelpinguinen. Königspinguine leben nicht auf dem Kontinent, sondern in den riesigen Kolonien Südgeorgiens – ein starkes Argument für die längeren Kombinationsreisen. Kaiserpinguine erfordern spezielle Expeditionen ins Weddellmeer.
- Robben: Weddellrobben dösen auf Eisschollen, Krabbenfresser sind die häufigste Robbenart der Erde, Seeleoparden patrouillieren an den Kolonierändern. Südliche Seebären treten ab Februar in großer Zahl auf und sind die einzige Art, bei der Ihr Expeditionsteam auf deutlich mehr Abstand besteht.
- Wale: Buckelwale und Zwergwale sind die häufigsten Begleiter, Orcas jagen in Familienverbänden, Finnwale ziehen in der Drake-Passage vorbei. Blauwal-Sichtungen bleiben ein seltenes Glück.
- Seevögel: Riesensturmvögel, Kapsturmvögel und Blauaugenscharben begleiten das Schiff fast permanent. Wer die Drake-Passage von der Außendeck-Reling aus beobachtet, sieht mit einiger Wahrscheinlichkeit Wanderalbatrosse mit über drei Metern Flügelspannweite.
Unser Tipp: Kombinieren Sie Ihre Reise mit Südgeorgien und den Falklandinseln, wenn die Tierwelt Ihr Hauptmotiv ist. Die Artenvielfalt und die Kolonie-Dimensionen dort übertreffen die Halbinsel deutlich – Sie sollten dafür allerdings 18 bis 23 Reisetage einplanen.